Aus dem Englischen von Karin Hanta Österreichische Exilbibliothek 236 Seiten, gebunden, Leinen mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-85452-424-3 21,90 Euro inkl. MWSt. Restexemplare
Erinnerungen, die die Themen Exil und Kindheit intelligent reflektieren.
Zwischen 1938 und 1939 wurden zehntausend Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach England gebracht, um sie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu retten. Unter denen, die im Frühsommer 1939 in Wien den Zug bestiegen, war auch die neunjährige Martha Immerdauer, ein behütetes Einzelkind aus kleinbürgerlicher Familie. Ihre Eltern kamen später im Holocaust um.
Das Mädchen wuchs bei jüdischen Pflegeeltern im Londoner East End auf und entschied sich früh für den Blick nach vorne: integrierte sich tapfer in die Gastfamilie, absolvierte lernwillig Schulen und Studium, nahm ohne Vorurteil die englische Lebensweise, Sprache und Kultur an und gründete schließlich eine Familie.
In der Erzählperspektive der Heranwachsenden gelingt es Martha Blend 50 Jahre danach, Nationalsozialismus, Exil und Holocaust nicht nur an lebensbedrohenden Ereignissen wie der Verhaftung ihres Vaters oder der einsamen Flucht im Kindertransport fassbar zu machen, sondern gerade indem sie Episoden aus einem scheinbar »normalen« familiären Alltag im Wien der »Anschluss«-Zeit und während der Kriegsjahre in England beschreibt, ohne die eigentliche Tragik des Kontexts zu inszenieren oder die eigene Überlebensleistung zu stilisieren. Einem bisher zu wenig beachteten Thema in der Geschichte des Exils – Kind und Kindheit – fügt Martha Blend eine präzis erzählte und intelligent reflektierende Variante hinzu.