108 Seiten, 116 SW-Abbildungen, gebunden
ISBN 978-3-85452-118-1 21,90 Euro inkl. MWSt. Restexemplare
Ein Gemeindebau als politisches Programm – die Geschichte des Karl-Marx-Hofs
Der Karl-Marx-Hof in Wien Heiligenstadt verkörpert historisch wie gegenwärtig mehr als ein Stück Architekturgeschichte, schon eher ein Stück Wohnbaupolitik, Sozialpolitik und Kulturgeschichte. Untrennbar ist dieser erste »Superblock« der späten zwanziger Jahre mit der Wohnbaupolitik des »Roten Wien« der Zwischenkriegszeit verbunden, untrennbar auch mit den Anfeindungen, denen sich diese Politik in der bürgerlichen Presse gegenüber sah. Dieser Gemeindebau, der Alltagskultur, ja Lebensform für seine Bewohner bedeutete, ist weit über die Grenzen Wiens hinaus als Prototyp sozialen Wohnbaus berühmt.
Traurige Berühmtheit jenseits der Architekturgeschichte und der Wohnbaupoltik erlangte der Karl-Marx-Hof spätestens in den Tagen des Bürgerkriegs im Februar 1934, als der durch die bürgerliche Propaganda zur Festung deklarierte Bau mit schweren Bundesheergeschützen beschossen wurde.
Der Karl-Marx-Hof kann also zu Recht als »nutzbares Denkmal« der Geschichte des Roten Wien gesehen werden. Umso erstaunlicher ist es, dass es bisher keine vollständige Würdigung dieses Baus und seiner Geschichte in Buchform gegeben hat.
Susanne Reppé hat für das vorliegende, reich bebilderte Buch nicht nur die politische und publizistische Geschichte des Baus sowie die Geschichte seiner Architektur aufbereitet, sondern geht auch auf die Geschichte seiner Bewohner, auf deren Erfahrungen und Erlebnisse ein. Sie zeichnet damit ein Bild des »Mikrokosmos Karl-Marx-Hof«, das fern jeder Idealisierung auch die Nutzungsveränderungen und die Anpassungen des »alten«, ursprünglichen Konzeptes an die Bedürfnisse der Gegenwart dokumentiert.