Hilde Haider-Pregler, Peter Roessler (Hg.) Zeit der Befreiung Wiener Theater nach 1945
x 432 Seiten, gebunden, Leinen mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-85452-413-7 29,90 Euro inkl. MWSt. Restexemplare
Theater in Wien nach 1945
Im befreiten Wien spielte man bereits Theater, bevor noch der Zweite Weltkrieg zu Ende war. Die Wiederaufnahme des Theaterbetriebs wurde allseits als Manifestation des wiedererstandenen Österreichs gefeiert. Und tatsächlich spiegelt das Wiener Theaterleben nach 1945 in aller Deutlichkeit die widersprüchlichen Anläufe zu einem neuen Österreich-Bewusstsein. Die Inszenierung des Österreich-Pathos wurde von den Akteuren freilich auf unterschiedliche Weise betrieben. Auf der einen Seite ein allegorisiertes Österreichertum, das sich unter Berufung auf die Tradition so mancher Versatzstücke der »ständestaatlichen« Österreich-Ideologie bediente, auf der anderen Seite der Versuch, den österreichischen Theatertraditionen einen sozialen Sinn abzugewinnen. Letzteres versuchten vor allem die wenigen aus dem Exil zurückgekehrten Theaterleute. Diese fanden allerdings vielfach eine Spielweise vor, deren beziehungsloses Nebeneinander von überrumpelnder Pathetik und allzu leiser Privatheit sie erschreckte: Berthold Viertel diagnostizierte einen prolongierten »Reichskanzleistil«. Als harmonisierendes Bindemittel erwies sich ein austriakisches Theaterbewusstsein mit seinem Insistieren auf dem angestammten österreichischen Mimus, das die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit ebenso blockierte, wie es überheblich gegen die kritische amerikanische Dramatik eines Tennessee Williams oder Arthur Miller mobilisiert wurde. Dem lief vordergründig die Rede vom Nachholbedarf entgegen, der den Anschluss an die Welt propagierte und dennoch mehr die heimelige Einrichtung im Katastrophismus der Nachkriegsmoderne meinte, in der ein waltendes Schicksal menschlichem Handeln die Verantwortung abnahm.
Der vorliegende Band ergründet durch genaue Studien das Ineinander von Kontinuitäten und Diskontinuitäten. Befragt werden die realen Versuche und vertanen Chancen der ersten Nachkriegsjahre, das Umschlagen von einer relativen Offenheit zu den Normierungen des Kalten Krieges, der Einfluss der Kulturstrategien der Alliierten, die Auseinandersetzungen in den großen Institutionen, die Widersprüche zwischen den und innerhalb der kritischen Gegengründungen.