Dirk Rupnow Täter – Gedächtnis – Opfer Das »Jüdische Zentralmuseum« in Prag 1942–1945
240 Seiten, 25 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-85452-444-1 21,90 Euro inkl. MWSt. Restexemplare
Zur Geschichte eines jüdischen Museums aus dem Nationalsozialismus.
Am 3. August 1942 begannen jüdische Wissenschaftler in Prag, unter Aufsicht der SS systematisch die Hinterlassenschaft der deportierten und in Auslöschung begriffenen jüdischen Gemeinden des »Protektorats Böhmen und Mähren« zu sammeln und mit dieser das so genannte »Jüdische Zentralmuseum« in den Synagogen der alten Prager Judenstadt einzurichten. Bis 1945 wurde im Zuge dieser Arbeiten die weltweit größte Sammlung von Judaica aufgebaut, die erst nach Kriegsende als »Jüdisches Museum Prag« für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde und die bis heute ein Anziehungspunkt für Touristen in Prag ist.
»Mörder bauten dem zu Ermordenden ein Mausoleum«, schrieb Egon Erwin Kisch über diesen traumatischen Ort, der ein Paradoxon bleibt. Mit Hilfe von Puppen, die Menschen darstellten, die genau in diesem Augenblick vergast und erschossen wurden, sollte das »wirkliche jüdische Leben des Mittelalters und der Zeit bis zum Jahre 1848« veranschaulicht werden. Dabei verschränkten sich zwei diametral entgegengesetzte, scheinbar einander ausschließende Interessen: der Wille der Opfer, ein Überleben beziehungsweise wenigstens ein Gedächtnis zu sichern, und der Wille der Täter, die Opfer zu erniedrigen, zu berauben und zu vernichten. Mit diesem Band gewährt der Historiker Dirk Rupnow erstmals Einblick in Ereignisse, die direkt in das Zentrum der Vernichtung des europäischen Judentums führen.