239 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-85452-411-3 21,90 Euro inkl. MWSt.
Ein kunstvolles Geflecht aus Leidenschaften, Sehnsüchten, Ahnungen und Gewalt.
»Die große Liebe ist stumm. Deswegen behält man sie immer für sich. Man verliert sie, sobald man von ihr erzählt.« Niemand weiß von der Liebe des Stallknechts Jesus zu Épiphanie, der Frau seines Herrn. Und so hält es Jesus, der, selbst innerlich seltsam hohl, die Leiden und Freuden der Menschen, Tiere – ja selbst jedes Grashalms seiner Umgebung – in sich spürt, auch sonst: Er sieht alles und sagt nichts. Die Verzweiflung und Schmerzen Épiphanies, die von Maxime, ihrem Mann, geschlagen wird, spürt er ebenso am eigenem Leib wie das Liebesglück zweier sich paarender Schnecken oder das Leid der Katzenmutter, deren Jungen die Schädel eingeschlagen und den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden.
Die Grausamkeit der Natur, geprägt vom eingeübten Kräftespiel von Fressen und Gefressenwerden, verliert, sobald die Menschen des kleinen Bauerndorfes in der Normandie eingreifen, ihre Unschuld. Jesus, mit dem Innersten und Geheimsten der ihn Umgebenden vertraut, bleibt doch immer außerhalb der Geschehnisse und begnügt sich scheinbar damit, Mist zu schaufeln, Spinoza zu lesen und voyeuristisch die Vorgänge um ihn wahrzunehmen. Gewaltsam ist in dieser archaischen Welt auch das Liebesspiel. »Ich beobachte die Paarung immer mit einem gewissen Entsetzen: Es kommt mir jedes Mal so vor, als würde ich bei einem Mord zusehen.« Und ein realer, blutrünstiger Mord lässt den Dorf-Kosmos aus seinem fragilen Gleichgewicht geraten.