x 200 Seiten, 72 Farbabbildungen, Leinen mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-85452-434-2 29,90 Euro inkl. MWSt. Restexemplare
Der politische Zionismus und der religiöse Messianismus sind sicher die bekanntesten jüdischen Zukunftsentwürfe, aber keineswegs die einzigen. Um ihre Zukunft zu gestalten, haben die Menschen die unterschiedlichsten Strategien entwickelt: Sie erfanden Kalender, um sich im Kreislauf des Jahres und des Lebens zu orientieren. Sie machten sich Gedanken über ein Leben nach dem Tod. Propheten spezialisierten sich darauf, die Zukunft vorauszusagen. Und wieder andere entwarfen gesellschaftliche und territoriale Konzepte für ein zukünftig besseres Leben.
Im ersten Teil des Bandes steht der heutige Blick in die jüdische Zukunft im Mittelpunkt. Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse und der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg führen ein Gespräch über die Zukunft der Wiener Gemeinde, das europäisch-jüdische Selbstbewusstsein und über Möglichkeiten der Zukunftsbewältigung im Allgemeinen. Einen Beitrag aus Israel steuert der Schriftsteller David Grossman bei. Sein Essay Stell dir vor, es ist Frieden ist hier erstmals ungekürzt in deutscher Übersetzung zu lesen. Wenn sich Grossman mit allen Konsequenzen vorstellt, was passiert, wenn in Israel nach allen Seiten hin der Frieden abgesichert ist, dringt er in sehr persönliche und zugleich tiefe Sphären der Zukunftsforschung vor. Die Kalifornierin Marcia Reines Josephy analysiert in ihrem Beitrag die religiöse amerikanisch-jüdische Kunstproduktion und deren Rolle für die Zukunftsbewältigung.
Kurt Schubert beschreibt die Geschichte des Messianismus von den biblischen Anfängen über den politischen und mystischen Messianismus der Neuzeit bis zu dessen säkularer Variante: dem Zionismus.
Auch der Bildteil des Bandes spannt einen Bogen von der Antike bis zur Gegenwart. Kunstwerke, Dokumente und Gegenstände erzählen vom Willen der Menschen, die Zukunft zu bewältigen, zu beeinflussen und zu gestalten. Der älteste Kalender in hebräischer Sprache, ein zionistischer Werbefilm aus den dreißiger Jahren, George Segals Installation Vertreibung aus dem Paradies ebenso wie ein israelisches Landgewinnungsprojekt durch künstliche Inseln, Prophetendarstellungen, Judenstaatprojekte für Uganda, Sibirien und Lateinamerika, Visionen vom himmlischen Jerusalem, messianische Websites im Internet, kalifornische Schutzamulette gegen Erdbeben und vieles mehr – sie alle erzählen von den unterschiedlichsten Versuchen, der Zukunft ihre Ungewissheit zu nehmen.