William M. Johnston Visionen der langen Dauer Österreichs Wiener Vorlesungen
Band 140 56 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-85452-540-0 8,90 Euro inkl. MWSt.
Die österreichische Identität auf dem Prüfstand des Kulturhistorikers
Der Kulturhistoriker William M. Johnston untersucht die Versuche der drei Wiener Gelehrten Hans Sedlmayr, Viktor
Zuckerkandl und Friedrich Heer, die lange Dauer der österreichischen Kultur zu beschreiben. 1957 haben sie
Fernand Braudels Begriff der »langen Dauer« (la longue durée) auf die bildenden Künste, die Musik und die Geistesgeschichte Österreichs kühn und genievoll angewandt.
Die drei damaligen Essays boten einen einmaligen Beitrag zur Charakterisierung der österreichischen Kultur. Um die
Eigenart der habsburgischen Kultur zu kennzeichnen, betonte Sedlmayr »die milde Trauer« der Wiener Malerei
und Skulptur, Zuckerkandl das »Sublimste in irdischster Gestalt« der Wiener Klassik in der Musik und Heer die
Humanitas des »österreichischen Menschen«. Johnston
analysiert diese tief gehenden Aufwertungen des Österreichertums
im Kontext der Kultursoziologie von Norbert Elias (1897–1990) und liefert einen pointierten Hintergrund
zu den Debatten um die Identität Österreichs.