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© 2006. PICUS VERLAG
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Picus [lat.], Gattung der Spechte mit 13 Arten, darunter der Buntspecht.
Picus, einer der ältesten Könige der römischen Sage, Sohn des Saturnus, Vater des Faunus, Gründer der alten latinischen Königsresidenz Laurentum; zugleich war Picus (lat.: Specht) ein bedeutender Seher, der aus Liebe zu seiner Frau Pomona dem Werben der Magierin Circe widerstand, die ihn deshalb in einen Buntspecht verwandelte ohne ihm seine prophetische Gabe zu nehmen.
Picus Verlag, 1984 von Dorothea Löcker und Alexander Potyka in Wien gegründet.

Schon bei der Gründung des Verlags im Jahr 1984 setzten sich die Verleger Dorothea Löcker und Alexander Potyka über jede Eingrenzung des Verlagsprogramms auf einen Schwerpunkt oder eine Nische hinweg. Ein Architekturtitel und vier Kinderbücher im ersten Programm deuteten bereits jene Vielfalt an, die für den Picus Verlag bis heute prägend ist. Nunmehr findet man unter dem Logo des pochenden Spechts Bücher für Kinder ebenso wie Belletristik, Reisefeuilletons und Reportagen, Zeitgeschichte und Lebenserinnerungen, Architektur und Essays. Gemeinsam sind dem weit gefächerten Programm ein aufklärerischer Impetus, Weltoffenheit, die Idee des Grenzüberschreitenden und intellektuelles Engagement, aber auch Sinn für Ästhetik und Lebenslust.
Mit vier Mitarbeiterinnen produzieren Löcker und Potyka heute mit großer Sorgfalt rund vierzig Titel jährlich. Die siebenhundert bisher publizierten Bücher erhielten rund fünfzig Auszeichnungen und Staatspreise, circa ebensoviele Bücher wurden in Lizenz an fremdsprachige Verlage vergeben. Das Programm des Picus Verlags wird im gesamten deutschsprachigen Raum vertrieben, etwa 70 Prozent der Bücher werden in Deutschland verkauft, rund 26 Prozent in Österreich und vier Prozent in der Schweiz. Der Picus Verlag ist nach wie vor unabhängig.

Belletristik im Picus Verlag
Dass erzählende Literatur nicht unpolitisch sein muss, davon zeugen im Programm des Picus Verlags die Werke von Autoren wie Reinhard Federmann, Ivan Ivanji, Jakov Lind und Susanne Scholl ebenso wie zahlreiche Biografien.Ivan Ivanji beispielsweise erzähltvon den Geistern aus einer kleinen Stadt (2008), im Januar 2009 wurde nun sein erfolgreichster Roman, Schattenspringen, neu aifgelegt.
Unter ihnen sticht vor allem Ceija Stojka hervor, die als Angehörige der Roma-Minderheit in den Büchern Wir leben im Verborgenen, Reisende auf dieser Welt und Träume ich, dass ich lebe? von ihrem Überleben als Kind in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Bergen-Belsen erzählt hat. Dem Schicksal und der Geschichte der Jenischen, ebenfalls ein fahrendes Volk, widmet sich Thomas Sautner in seinem außergewöhnlichen Roman-Debüt Fuchserde (2006), Außenseiter hingegen stehen im Mittelpunkt seines zweiten, im ländlichen Milieu angesiedelten Romans Milchblume (2007).
Weil gerade Minderheiten und Außenseiter oft den besten Blick auf das Funktionieren der Gesellschaft in ihrem Inneren haben und das Leben im Exil das Verständnis von Vaterland und Muttersprache wie in einem Brennglas zu bündeln scheint, räumt der Picus Verlag diesen Werken, etwa in der Reihe Österreichische Exilbibliothek, einen großen Stellenwert ein, um so Wissen und Erlebtes vor dem Vergessen zu bewahren und besondere Menschen, spezielle Geschichtenerzähler zu Wort kommen zu lassen. Paul Elbogen, Richard A. Bermann alias Arnold Höllriegel, Jakov Lind, Eva Kollisch, Hans Eichner, Leo Spitzer, Fritz Kalmar, Lore Segal, Leon Kane und zuletzt Benno Weiser Varon mit dem Roman Ich war Europäer (2008) haben in dieser Reihe ihre Autobiografien und autobiografischen Romane veröffentlicht.
Hellmut Butterweck
hat mit Tote im Verhör (2008) einen gleichermaßen packenden wie erschütternden Tatsachenroman über die Mängel der österreichischen Nachkriegsjustiz verfasst.
Der Frankokanadier Gaétan Soucy, der Niederländer Joost Zwagerman, die französischen Autoren Franz-Olivier Giesbert und Philippe Ségur, der dänische Erfolgsautor Stig Dalager mit seinem Politthriller Das Labyrinth (2007) und zuletzt Merih Günay mit seinem Schelmenroman Hochzeit der Möwen (2009). allesamt in ihren Originalsprachen mehrfach preisgekrönt, prägen das internationale Programm.
Erzählerische Leichtigkeit und literarische Originalität stehen im Vordergrund des dritten Segments im belletristischen Programm des Picus Verlags. Autoren wie Stefan Slupetzky, René Freund, Michael Frank und Michael Schulte beweisen, dass Tiefgang durchaus vergnüglich sein kann. Mit der Liebe zur Literatur und zum Leben befasst sich Sylvie Schenks bezaubernder neuer Roman Die Tochter des Buchhändlers, der ebenso wie Egyd Gstättners Künstlerroman Der Mensch kann nicht fliegen (2008) und Bernhard Seiters Spieler-Roman Passenger Hammerschmid (2009) herausragt. Ein bemerkenswertes Debüt liefert Georg Elterlein mit seinem Roman Der Hungerkünstler, und zur Kulturhauptstadt 2009 erscheint ganz Aktuell die spannende Anthologie Linz.Randgeschichten mit Beiträgen namhafter oberösterreichischer Autorinnen und Autoren.
 
Picus Lesereisen und Picus Reportagen
Zur Erfolgsreihe entwickelten sich die im Frühjahr 1998 gestarteten Picus Lesereisen: Einstimmungslektüre für Reisewillige ebenso wie Sehnsuchtslektüre für jene, die nicht zum Reisen kommen, bilden die Reisefeuilletons und -reportagen eine Brücke zwischen dem reinen Reiseführer und topografischer Belletristik.
Ob Rom, Paris, Wien, London, Florenz, Lissabon, Istanbul, Irland, New York, die Provence, das Salzkammergut oder die Südsee: Journalisten der Süddeutschen Zeitung, der F.A.Z., der Welt, der NZZ, des Spiegel, der taz, der Berliner Zeitung, der Presse, des Standard und der Wiener Zeitung, von GEO und mare sowie freie Autoren geben dem Leser durch einen sehr persönlichen Zugang kundig Einblicke in den Alltag, die Mentalitäten und die Absonderlichkeiten der jeweiligen Reiseziele.
Pro Saison erscheinen fünf Bände. Die jüngsten berichten über Athener Weisheiten (Ellen Katja Jaeckel), Lärntner Melancholien (Marlene Faro), Luxemburger Grenzgänge (Georges Hausemer), Streifzüge durch Venetien (Susanne Schaber) und das Erwachende Vilnius (Cornelius Hell).
Mittlerweile haben die Verleger Dorothea Löcker und Alexander Potyka auch drei Sonderbände ediert: Italienisches Kulinarium vereint die sinnen- und genuss­freudigsten Reportagen über Italiens Küche und Keller, Britischer Lifestyle versammelt eine Reihe von Texten über die traditionellen und bisweilen skurrilen Besonderheiten der eigentümlichen Insulaner, und der aktuelle Band Skandinavische Lebensarten entführt in den exotischen Norden Europas.
1999 wurde dieser Schwerpunkt im Verlagsprogramm durch die Reihe Picus Reportagen erweitert. Erstklassige ­Autoren und Journalisten der großen deutschsprachigen Medien – etwa Johanna Wieland und Andreas Wenderoth von GEO oder Karin Steinberger, Christiane Schlötzer, Stefan Klein, Michael Bitala, Gerd Kröncke und Peter Münch von der Süddeutschen Zeitung, Christoph Hein von der F.A.Z., aber ebenso freie Journalisten wie Fabian von Poser und Marc Engelhardt (Afrikanische Schicksale, 2009) – berichten meisterhaft von exotischen und vertrauten Schauplätzen, über prominente und unbekannte Helden und Opfer.
Bisher sind in diesen beiden Reihen über hundertvierzig Titel erschienen.
 
Sachbuch im Picus Verlag
Das Sachbuchprogramm teilt sich in mehrere Bereiche. Im Zentrum des Zeitgeschichte-Schwerpunktes stehen, in Abstimmung mit dem biografischen Programm, der Holocaust, die Erforschung von Verfolgung und Vernichtung von Minderheiten, Antisemitismus und Nationalsozialismus. Genannt seien stellvertretend René Freund, Braune Magie? Okkultismus, New Age und Nationalsozialismus, Herbert Exenberger u. a. (Hg.), Kündigungsgrund Nichtarier, Stefan Moritz mit seinem Aufsehen erregenden Buch über die Verstrickung der katholischen Kirche Österreichs in den Nationalsozialismus Grüß Gott und Heil Hitler, Christiane Kohl mit ihren zeitgeschichtlichen Reportagen Der Himmel war strahlend blau. Vom Wüten der Wehrmacht in Italien und zuletzt Jonny Moser mit seinen Erinnerungen an die Rettung Tausender Juden in Ungarn, Wallenbergs Laufbursche und zuletzt Die Zigeuner kommen!, in dem sich der Reporter Heinz G. Schmidt gemeinsam mit Markus Reinhardt, einem Verwandten des großen Gitarristen Django Reinhardt, auf die Suche nach einer gemeinsamen Vergangenheit fahrender Völker macht. Im März 2008 erschien eine stark erweiterte Neuauflage von Hans Safrians und Hans Witeks ergreifender Darstellung des alltäglichen Antisemitismus in Wien Und keiner war dabei.
Der Spiegel-Autor Erich Follath fängt in seinen Reportagen Himmelbett und Höllenangst. 13 Hotels, die Geschichte machten die Aura von politisch bedeutsamen Hotels dieser Welt ein. Davon, dass auch im Sachbuch die ästhetische Qualität eine große Rolle spielt, davon zeugen die anspruchsvoll gestalteten Bände der Autorin Susanne Schaber und des Fotografen Christoph Lingg über den melancholischen Charme von Friedhofslandschaften an den einstigen Rändern der Habsburger Monarchie (Vergessener Völker Müdigkeiten. Friedhöfe in den Kronländern der ehemaligen k. u. k. Monarchie), über den Mythos traditioneller Pilgerwege auf drei verschiedenen Kontinenten (Den Sternen entlang. Drei Pilgerwege: Jakobsweg - Kailash - Qoyllur Rit'i) oder über die faszinierenden Berg- und Felslandschaften Tirols (Im Stein).
Die große inhaltliche Vielfalt im Sachbuch-Programm wird durch Bücher zu Architektur - etwa Ottokar Uhl, Gegen-Sätze. Architektur als Dialog - und Psychoanalyse sowie Essays über Größen der Kunst- und Kulturgeschichte und zum Qualitätsjournalismus - etwa Hans-Jürgen Jakobs und Wolfgang R. Langenbucher (Hg.), Das Gewissen ihrer Zeit. Fünfzig Vorbilder des Journalismus - ergänzt. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften der Universität Wien erscheint die Reihe Theodor-Herzl-Vorlesung zur Poetik des Journalismus, in der namhafte Journalisten wie Herbert Riehl-Heyse, Peter Huemer, Luc Jochimsen, Klaus Harpprecht, Kai Hermann, Margit Sprecher und Gerhard Kromschröder sowie im Frühjahr 2007 Sibylle Hamann über ihre Arbeit als Kulturleistung nachdenken.
Mit großen Erfolg erschien im Oktober 2008 der reich bebiderte, umfassende Band Vom Christbaum zur Ringstraße. Evangelisches Wien von Monika Salzer und Peter Karner.
Die bibliophile Reihe Wiener Vorlesungen, die in Kooperation mit der Stadt Wien erscheint, hat sich mit über hundertvierzig erschienenen Titeln eine feste Klientel erworben. Die kleinen Bände mit Texten großer Autoren wie Paul Watzlawick, Ernst H. Gombrich, Aleida und Jan Ass-mann, Niklas Luhmann, Vilém Flusser, Konrad Paul Liessmann, Wolfgang Benz, Ruth Klüger, Eric Kandel, Hans-Ulrich Wehler, Eric J. Hobsbawm, Gerhard Scherhorn, Mathias Binswanger und Anton Zeilinger werden als handliche Einstiegslektüre in verschiedene Wissensgebiete geschätzt.
 
Kinderbuch im Picus Verlag
Das stark international ausgerichtete Kinderbuchprogramm definiert Kinderliteratur in erster Linie als Literatur. Nicht pädagogisch-didaktische Kriterien stehen im Vordergrund, sondern die Qualität von Geschichte und Illustration, die liebevolle Ausstattung und ein oftmals augenzwinkernder Humor. Die erfolgreichste Reihe des Kinderbuchprogramms ist Roser Capdevilas Das Tagebuch der verflixten Hexe - seit mehr als fünfzehn Jahren begleiten die teils haarsträubenden Abenteuer der tollpatschigen Hexe nun schon das Verlagsprogramm. Ebenfalls eine treue Fangemeinde haben sich die Geschichten vom »kleinen Esel« von Rindert Kromhout und Annemarie van Haeringen - vor allem mit dem preisgekrönten Band Der kleine Esel und sein Geschenk für Jaki - errungen.
Bilderbücher mit künstlerischem Anspruch nehmen einen wichtigen Platz im Programm des Picus Verlags ein. Zu den erfolgreichsten zählen mehrfach preisgekrönte Werke von Gerhard Gepp (Das Land der Ecken zum Thema Fremdenfeindlichkeit) und die Bilderbücher der Malerin Friederike Wagner. Die überraschenden visuellen Ideen der italienischen Illustratorin Chiara Carrer haben international Anklang gefunden. Gemeinsam mit Brett Shapiro veröffentlichte sie Bailey, der Streuner, das erste Kinderbuch, das den »Staatspreis für das schönste Buch Österreichs« erhielt. Chiara Carrers Otto Karotto über einen kleinen Hasen mit ausgeprägten Marotten wurde mit dem »Österreichischen Illustrationspreis 2001« prämiert und für den »Deutschen Kinder- und Jugendbuchpreis 2001« nominiert. In dem in die warmen Farben des Orients getauchten Bilderbuch Arifs Schatz erzählt sie eine arabische Legende von den Umwegen eines Mannes auf der Suche nach dem Glück. Im Frühjahr 2009 erscheint nun ihre Version des Rotkäppchen-Märchens, Das Mädchen und der Wolf.
Der zarte Illustrationsstil der Grafikerin Anka Luger in Keine Angst! wurde mit einem Preis als »Eines der schönsten Bücher Österreichs 2005« bedacht und fand mit Wo ist bloß meine Geschichte? und Oskars Geburtstagshung seine Fortsetzung – für dieses Buch erhielt sie2008 den Illustrationspreis der Stadt Wien. Die Geschichte des kleinen Fuchses, die Gergely Kiss in Papa wohnt jetzt anderswo (2007)erzählt hat, findet in Ein neuer Mann für Mama (2008) ihre Weiterführung.
Die renommierten österreichischen Künstlerinnen Adelheid Dahimène und Heide Stöllinger publizierten nach dem preisgekrönten Schnell, Rudi, schnell! ein weiteres Buch im Picus Verlag: Zitter-Zitter-Zitterfisch. Heide Stöllinger lieferte außerdem die stimmungsvollen Illustrationen zu Heinz Janischs munterem Aufwachbuch Guten Morgen! (2008).
Den schrägen Sprachwitz von Franzobel kleidet Sibylle Vogel in den Bänden Die Nase und Schmetterling Fetterling und in dem zauberhaften Band Das große Einschlafbuch für alle Kleinen sowie zuletzt Moni und der Monsteraffe (2008) in kongeniale Illustrationen, während Beate Kirchhof und Katja Bandlow mit Leonce und Lena. Eine wundersame Geschichte eine in Wort und Bild poetische Nacherzählung des Büchner-Dramas für Kinder gelungen ist. Die zweite Zusammenarbeit der beiden Hamburgerinnen erschien 2007: der Erzählband Frieda und ihre Brüder.
Wibke Brandes hat im Herbst 2008 ihr erstes Buch im Picus Verlag veröffentlicht: in Herr Montag hat verschlafen wird das geregelte Leben in einem kleinen Dorf kunterbunt auf den Kopf gestellt. In Gérard Moncombles Die Katze, die mit dem Schwanz wedelte (2009), außergewöhnlich illustriert von Pawe? Pawlak, steht die Welt auch Kopf: Eine kleine Katze möchte unbedingt ein Hund sein …
Besonders erfolgreich ist das Erstlingswerk von Andrea Karimé und Annette von Bodecker-Büttner, Nuri und der Geschichtenteppich, das das Thema Integration in liebevoller, kindgerechter Weise behandelt. Die Herkunft des Geschichtenteppichs erklären die beiden in Die Zauberstimme (2007), und erzählen in ihrem dritten Buch die Geschichte von Soraya, dem kleinen Kamel (2008).
Das erfolgreichste Kinderbuch der letzten Jahre im Picus Verlag ist Wien. Stadtführer für Kinder von Brigitta Höpler, Sibylle Vogel und Alexander Potyka, das auch auf Englisch vorliegt und großen und kleinen Wienbesuchern die Metropole schmackhaft machen soll. 2007 wurde ihm der München. Stadtführer für Kinder von Martina Gorgas zur Seite gestellt, 2009 wir die Reihe mit Joscha Remus' Berlin. Stadtführer für Kinder fortgesetzt.