Cornelia Travnicek im Gespräch zu »Zwei dabei«

erstellt am 12. August 2019

»Man vergisst oft als ›durchschnittlich‹ großer Mensch, dass die Welt eben genau für ›durchschnittlich‹ große Menschen gemacht ist.«

 

Woher kam dein Interesse, ein Kinderbuch zu schreiben?

Ich habe meine eigenen Lieblingskinderbücher nie vergessen. Das bleibt einem im Hinterkopf und die Geschichten finden einen dann von selbst. Das war im konkreten Fall genauso. Auf Facebook hat eine Schriftstellerkollegin, die früher auch Amateur-Eiskunstläuferin war, etwas gepostet, wo es darum ging, welche physischen Gegebenheiten erfüllt sein müssen, damit zwei Leute miteinander Eiskunstlauf betreiben können. Ich hab mir dann gedacht, wenn es da rein ums Körperliche geht – es gibt ja auch sehr zartgliedrig gebaute Männer und es gibt sehr große und starke Frauen – warum kann dann nicht ein kleiner Mann mit einer großen Frau auch Eiskunstlauf machen?

 

War deine Herangehensweise ans Schreiben anders als sonst?

Einen Tonfall zu finden, ist für mich etwas sehr Intuitives. Es ist meist ein Ausprobieren. Wenn man dann die ersten zwei, drei Sätze richtig getroffen hat, dann fügt sich alles andere. Das grundsätzliche Problem, das man vielleicht als erwachsene Schreibende beim Kinderbuch hat, ist, glaube ich, dass man zu viel über alles nachdenkt. Man möchte alles erklären, Hintergrundinfos geben, man will, dass die Logik stimmt. Ich musste dann so etwas wie meinen inneren Janosch channeln, um eine Fantasiewelt zuzulassen. Auch wenn es ein realistisches Sujet ist, muss die Welt nur in sich stimmig sein, man muss nicht alles erklären. Ich glaube, dass Kinder Abstraktionen dann oft intuitiv verstehen, dass dadurch ein Gefühl aufgebaut wird.

 

Was war dir beim Motiv der Körperlichkeit der Figuren wichtig?

Ich habe im Bekanntenkreis ein paar große Frauen, die ständig im Alltag damit konfrontiert werden. Ich kenne ja das Gegenteil, bin unterdurchschnittlich groß, also wie man sagt, klein. Da braucht man oft einmal Hilfe, etwas im Supermarkt aus dem Regal zu nehmen … also man vergisst oft als »durchschnittlich« großer Mensch, dass die Welt eben genau für »durchschnittlich« große Menschen gemacht ist. Aber wir sind eben nicht alle durchschnittlich groß. Und das, was man im eigenen Land als Durchschnitt versteht, ist in anderen Weltteilen nicht der Durchschnitt. Mit dem Buch wollte ich einfach nur zeigen, dass wenn zwei Puzzleteile der richtigen Größe einander finden, das im Endeffekt das passende Bild ergibt.

 

Für Kinder ist groß oder klein sein ja eine wichtige Angelegenheit.

Als Kind befindet man sich ständig im Vergleich mit allen anderen rund um sich – egal ob mit Erwachsenen oder Gleichaltrigen. Da geht es immer darum, wer ist größer, wer ist kleiner, wer wächst schneller? Was kann ich schon machen, was kann ich nicht machen? Was erreiche ich aufgrund meiner Größe und was kann ich nicht erreichen?

 

Auch wenn das jetzt das Ende vorwegnimmt – Johanne und Ranjeet machen ja letztlich den dritten Platz …

Ja, ich wollte nicht auf der letzten Seite den Gedanken fördern, dass man immer Erster werden muss. Sie müssen ja auch gar nicht Erste werden, sie haben ja vorher schon gewonnen. Sie haben einander gefunden, eine Möglichkeit gefunden teilzunehmen, sich ihren Traum zu verwirklichen. Das ist ja auch der olympische Gedanke – Dabeisein ist alles.

 

Foto © Bogenberger Autorenfotos