Berlin – Brennpunkt der deutschen Geschichte, Hauptstadt der Kreativen, Aufsässigen, Nachteulen und Visionäre. Stadt der Rekorde mit dem artenreichsten Zoo der Welt, dem größten Kaufhaus, dem höchsten Gebäude Deutschlands. Keine Großstadt in Europa bietet ein größeres Revuetheater und so viele freie Flächen für Bewegungskünstler. Glanzstadt. Wasserstadt. Regierungsstadt. Stadt der verborgenen Schätze. Joscha Remus, der seit über dreißig Jahren in Berlin wohnt, spürt in seinen literarischen Reportagen den Künsten von Lichtmagiern, Zungenakrobaten, Gedankenlesern und Wortschmeckern nach, ergründet den Humor des neuen jüdischen Berlin mit seinen Meschugge-Partys sowie die verwegene Kulinarik der lebenslustigen russischen Einwanderer. Er begibt sich auf Lügen- und auf Wahrheitstouren, durchleuchtet den Clash der schwäbischen Welt mit der indigenen Bevölkerung, entdeckt idyllische Inseln und waghalsige Gartenträume. Auf erotischen Erkundungsgängen trifft er auf die Lustzonen der Stadt, begibt sich in wilde Tanztempel, auf sanfte Floßfahrten und erlebt im Stadtteil ‚Charlottengrad‘ die weitreichenden Folgen des besten Trinkspruchs der Welt.
Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Lagers Buchenwald kommen im April 2020 zwölf Überlebende und ihre Begleitung nach Weimar. Der geplante Festakt ist wegen der Corona-Pandemie abgesagt, aber die betagten Herren möchten den Gedenktag unter allen Umständen begehen. Doch da wird einer von ihnen positiv auf das Coronavirus getestet und alle Anwesenden stehen ab sofort unter Quarantäne.
Der serbische Schriftsteller Sascha ist mit seinem Sohn angereist und schlägt vor, einander wie in Bocaccios Decamerone zum Zeitvertreib Geschichten zu erzählen. An zwölf Abenden erzählt also jeder, was ihm wichtig ist – von Ovids Verbannung ans Schwarze Meer, einer Karriere als Boxer im KZ bis hin zu Corona Schröter, der Geliebten Goethes. Dabei treten auch Bruchlinien und irritierende Ambivalenzen zutage.
Ein bewegendes Panorama der Schicksale: Ivan Ivanjis neuer Roman erzählt von Verfolgung und Verbannung, vom Tod und vom Überleben.
Über Tote, heißt es, soll man nichts als Gutes sagen. Stefan Slupetzkys pointierte und hintergründige fiktive Grabreden erzählen ebenso viel über die Verstorbenen wie über die Redner selbst.
Grabreden sind eine literarisch vernachlässigte Kurzform des biografischen Erzählens. Stefan Slupetzky lässt in seinen Miniaturen seine Grabredner und Grabrednerinnen stets nicht nur über die Toten, sondern auch über sich selbst erzählen, über Versäumnisse und Sinn des eigenen Lebens: Der Chef eines tüchtigen Mitarbeiters muss erkennen, dass es über den Toten schier gar nichts zu sagen gibt, eine Grabrede für einen verstorbenen Grabredner, ein Stand-up-Comedian, der dem Toten die Pointen neidet, ein Interessensvertreter, der den Anlass zu einer politischen Ansprache nutzt oder ein Geistlicher, der in der Trauerrede die Identität eines Mädchenmörders enthüllt. Stefan Slupeztky findet d